Firmen fit für die digitalisierte Arbeitswelt gemacht

PLOCHINGEN/LEONBERG: Die Teilnehmer des ersten Durchlaufes der Seminarreihe „F4DIA – Fit für die digitalisierte Arbeitswelt“ haben ihre IHK-Zertifikate erhalten.

Die Großen machen es vor. Was für die Branchen Automotive oder Automatisierung meist zum Arbeitsalltag gehört, ist für viele kleine und mittelständische Unternehmen in Baden-Württemberg noch Zukunftsmusik. Das soll sich ändern. Mit der Seminarreihe „F4DIA – Fit für die digitalisierte Arbeitswelt“ wollen das GARP-Bildungszentrum in Plochingen, die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, der Verein zur Förderung der Berufsbildung, das Unternehmen Trumpf und die Staatsgalerie Stuttgart Firmen ermutigen, die Chancen der Digitalisierung stärker als bisher zu nutzen. Ende Juli haben die Teilnehmer des ersten Durchgangs ihre IHK-Zertifikate als „Multiplikator für die digitalisierte Arbeitswelt“ in den Räumen des Pumpenherstellers Lewa in Leonberg erhalten. Im November beginnt die zweite Seminarreihe.

Die ersten Multiplikatoren für die digitalisierte Arbeitswelt nehmen ihre IHK-Zertifikate entgegen. Foto: GARP/Philipp Braitinger

„Wir wollen, dass sich auch kleine und mittelständische Unternehmen ranwagen“, bringt die GARP-Projektleiterin Evelyn Philipp das Ziel der Seminarreihe auf den Punkt. Die Teilnehmer sollen nach dem Ende der insgesamt fünf Module als Mutmacher in ihren Unternehmen wirken. Denn: „Digitalisierung gibt es schon seit vielen Jahren.“ Doch viele kleinere und mittelständische Firmen stellten das Thema weiter hinten an. Das sieht auch das Land so. Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau fördert die Seminarreihe „F4DIA“, die für die Region Stuttgart vom GARP-Bildungszentrum durchgeführt wird, als Teil der Digitalisierungsstrategie Baden-Württembergs.

Ein Beispiel für den Mehrwert der digitalisierten Arbeitswelt erklärt Moritz Pastow. Er ist Projektmanager bei der Firma Lewa, war beim ersten Durchlauf von der Seminarreihe „F4DIA“ dabei und nutzt mit seinen Kollegen eine internetfähige Brille mit integriertem Bildschirm, Kopfhörern und einem Mikrophon. Damit können Kunden weltweit exakte Service- und Reparaturanweisungen in Echtzeit und an der Maschine erhalten. Dass der Einsatz dieser Brille viel kostengünstiger ist, als ein Serviceteam nach Indien oder Brasilien zu schicken, liegt auf der Hand.

Weitere Vorteile einer digitalisierten Arbeitswelt erklärt die Synchro-Expertin des Werkzeugherstellers Trumpf, Alexandra Gleich. Sie war ebenfalls eine der Teilnehmerinnen des ersten Durchlaufes von „F4DIA“. Ihr Unternehmen nutzt das Internet für individualisierte Bestellungen der Kunden „just in time“. Inzwischen gebe es rund 31 Millionen lieferbare Werkzeugvarianten. Diese könnten unmöglich alle auf Vorrat hergestellt werden. Die Kunden geben deshalb ihre Bestellungen online ab. Danach wird die Bestellung direkt hergestellt und verschickt. Wer bis 14 Uhr bestelle, könne am nächsten Tag mit der Auslieferung rechnen. „Im Grunde steuert der Kunde unsere Maschinen“, erklärte die Synchro-Expertin Gleich.

Die digitale Animation am Tablet verdeutlicht sehr anschaulich den Aufbau und die Funktion einer Pumpe von Firma Lewa. Foto: LEWA/Ronja Pecher

Die beiden Beispiele verdeutlichen, dass für eine digitalisierte Arbeitswelt das Rad nicht neu erfunden werden muss. Die technischen Möglichkeiten gibt es bereits, sie müssen nur noch genutzt werden. Dass die einzelnen Mitarbeiter dabei nicht auf der Strecke bleiben, betont der GARP-Geschäftsführer Dr. Werner J. Waiblinger. „Wir wollen die Betroffenen zu Beteiligten machen“, führt er aus.

Dass die Digitalisierung ein Jobkiller sei, glaubt er nicht. Die Aufgaben werden nicht weniger, aber sie werden sich verändern. Darauf müssten Unternehmen und Mitarbeiter vorbereitet sein. Man solle anfangen, auch wenn noch vieles fehlt. Es sei besser, ein Vorhaben als sog. Beta-Version zu starten, als zu warten. Digitalisierung verlange, vieles in Frage zu stellen und Geschäftsmodelle neu zu denken. Von der Idee bis zur Lösung brauche es Agilität in jeglicher Hinsicht.

Die nächste Seminarreihe für Unternehmen der Fertigungsindustrie mit fünf Modulen à zwei Tage beginnt im November. Die Teilnahme ist kostenlos, die Anzahl der Teilnehmer aber begrenzt. Anmeldungen nimmt ab sofort die Projektleiterin Evelyn Philipp, Telefonnummer 07153 / 8305-55, E-Mail: philipp@garp.de, entgegen. Weitere Informationen auch im Internet auf www.f4dia.de.